Der aus Rostock stammende Voss absolvierte seine Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch, bevor er zunächst an den Münchner Kammerspielen und später am Deutschen Theater Berlin reüssierte. Sein Durchbruch vor der Kamera gelang ihm 2018 mit einer Hauptrolle in dem Historiendrama „Das kalte Licht“, das ihm den Deutschen Filmpreis einbrachte. Dennoch mied er bewusst die Mainstream-Öffentlichkeit und lebte mit seiner Familie zurückgezogen in Potsdam. Mit Cannes öffnet sich nun eine neue Tür, und Branchenbeobachter spekulieren bereits über mögliche Engagements in Hollywood, wo zurzeit verstärkt europäische Charakterdarsteller gesucht werden.
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Die deutsche Presse feierte den Preis als einen längst überfälligen Ritterschlag für einen unterschätzten Darsteller, der nie auf schnelle Prominenz gesetzt hatte. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nannte ihn einen „Akteur der leisen Töne, der selbst in der Stille donnert“, und die Süddeutsche Zeitung zog Parallelen zu Bruno Ganz. Kulturstaatsministerin Roth gratulierte per Videobotschaft und bezeichnete den Erfolg als Beleg für die Lebendigkeit des deutschen Filmschaffens. Gleichzeitig mehrten sich in sozialen Netzwerken die Kommentare von Fans, die sich von Voss‘ Bodenständigkeit beeindruckt zeigten.
Im Pressezelt des Palais des Festivals gab sich Voss bescheiden und lenkte das Interesse sofort auf die nächsten Projekte. Er arbeite derzeit mit einer jungen Drehbuchautorin an einem Stoff über die Klimabewegung, bei dem er erstmals auch als Co-Produzent fungieren wolle. Der Abend von Cannes endete für ihn mit einem Abendessen am Mittelmeer, wo ihm Festivalpräsidentin Iris Knobloch persönlich gratulierte. Die Frage, ob er sich nun vermehrt in Los Angeles zeigen werde, beantwortete er mit dem Hinweis, dass ihm die Rollen wichtiger seien als der Ort und dass er vor allem Geschichten erzählen wolle, die einen Unterschied machten. Mit dem Preis in der Hand verabschiedete sich ein sichtlich gerührter Künstler, der an diesem Abend nicht nur sich selbst, sondern auch dem deutschen Kino eine neue Sichtbarkeit auf der Weltbühne bescherte.
