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Der sächsische Mittelständler Präzisionstechnik Chemnitz GmbH hat den Bau eines neuen Produktionswerks im niederschlesischen Bolesławiec angekündigt und wird dafür eine zweistellige Millionensumme investieren. Das Familienunternehmen mit rund sechshundert Beschäftigten stellt hochpräzise Werkzeugmaschinen für die Automobil- und Luftfahrtindustrie her und sieht in dem polnischen Standort eine Chance, die steigenden Aufträge aus Osteuropa effizienter zu bedienen. Geschäftsführer Marcus Lindner erklärte bei der Grundsteinlegung, die Expansion sei eine bewusste Ergänzung des Stammsitzes und keine Verlagerung, denn die Forschung und Entwicklung sowie die Endmontage der komplexesten Anlagen blieben in Chemnitz.

Der Standort in Polen wird sich auf die Fertigung von Komponenten und die Vormontage standardisierter Baugruppen konzentrieren. Ausschlaggebend für die Wahl Bolesławiecs sei die Nähe zur Autobahn A4 und die kurze Entfernung zu tschechischen und slowakischen Kunden gewesen, zudem habe man in der Region ausreichend qualifizierte Facharbeiter gefunden. Das sächsische Wirtschaftsministerium begrüßte die Investition und verwies auf den grenzüberschreitenden Charakter der Wirtschaftsbeziehungen, die beiden Regionen nutzten. Der Chemnitzer Betrieb soll in den nächsten drei Jahren um vierzig neue Arbeitsplätze für Ingenieure und Techniker wachsen, die Koordination läuft zweisprachig.

Die Entscheidung für einen Auslandstandort ist auch eine Antwort auf die gestiegenen Produktionskosten in Deutschland. Lindner rechnete vor, dass die Energiekosten im Nachbarland derzeit nur etwa sechzig Prozent des deutschen Niveaus betragen, was bei der spanenden Bearbeitung von Metall mit hohem Stromverbrauch ein entscheidender Wettbewerbsfaktor sei. Hinzu kommen günstigere Lohnnebenkosten und ein weniger bürokratisches Genehmigungsrecht, das es ermöglicht habe, die Werkshalle binnen zwölf Monaten hochzuziehen. Er betonte jedoch, dass die vergleichsweise geringeren Lohnkosten nicht das Hauptmotiv seien, sondern man vor allem näher an den Wachstumsmärkten Mittel- und Osteuropas sein wolle.

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Der Deutsche Aktienindex hat am Dienstag ein neues Allzeithoch erreicht und kletterte im Handelsverlauf über die Marke von 17.400 Punkten. Angetrieben wurde der Anstieg von starken Quartalszahlen einiger Schwergewichte, vor allem aus der Chemie- und Versicherungsbranche, sowie von der Hoffnung auf bald sinkende Leitzinsen in der Eurozone. Börsianer zeigten sich überrascht, denn die Nachrichtenlage war in den Wochen zuvor von den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten, gestörten Lieferketten und einer schleppenden Konjunktur in China geprägt. Dennoch fanden die Kurse immer wieder Käufer, die angesichts magerer Zinsen auf dem Sparbuch keine Alternative zu Aktien sahen.

Die Rally wurde maßgeblich von institutionellen Investoren getragen, die große Summen in Indexfonds umschichteten. Die zurückgehende Inflation in Deutschland und Frankreich nährte die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank im kommenden Jahr die Zinsschraube lockern könnte, was Kredite für Unternehmen verbilligen und die Gewinnaussichten verbessern würde. Besonders gesucht waren Titel von Unternehmen, die im Bereich der Künstlichen Intelligenz tätig sind, aber auch traditionelle deutsche Werte wie Siemens, SAP und die Münchener Rück legten zweistellige prozentuale Zuwächse hin. Der breite Markt zog mit, fast alle Branchen schlossen im Plus.

Analysten warnten jedoch vor übertriebenem Optimismus. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des DAX liegt inzwischen über dem langjährigen Durchschnitt, und die Gewinnschätzungen für das vierte Quartal wurden von einigen Banken nach unten korrigiert. Ein möglicher Flächenbrand im Nahen Osten oder eine Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China könnten die Lage schlagartig drehen. Auch die schwache Entwicklung der deutschen Wirtschaft, die sich im dritten Quartal in einer technischen Rezession befand, scheint der Börse derzeit nichts anzuhaben, was kritische Stimmen als Entkopplung von der Realität werten.

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Der Energiekonzern RWE hat den Abbau von rund eintausend Arbeitsplätzen in seinem verbleibenden Braunkohlegeschäft angekündigt, das in den kommenden Jahren im Zuge des vereinbarten Kohleausstiegs schrittweise zurückgefahren wird. Betroffen sind vor allem die Tagebaue Garzweiler und Hambach sowie die dazugehörigen Kraftwerke im Rheinischen Revier. Der Stellenabbau soll sozialverträglich über Vorruhestandsregelungen, Altersteilzeit und Abfindungen gestaltet werden, betriebsbedingte Kündigungen werden ausgeschlossen. RWE-Personalvorstand Katja van Doren erklärte, der Konzern wolle die Transformation in Abstimmung mit der Arbeitnehmervertretung möglichst geräuschlos bewältigen.

Die Hintergründe sind politisch vorgezeichnet. Der 2020 beschlossene Fahrplan zum Ausstieg aus der Kohleverstromung sieht vor, dass spätestens 2030 das letzte Braunkohlekraftwerk vom Netz geht. Ursprünglich war dieser Termin für 2038 vorgesehen, doch die Ampelkoalition hatte die Beschleunigung durchgesetzt, um die deutschen Klimaziele zu erreichen. In den Tagebauen wird die Kohleförderung gedrosselt, und die bereits geplante Verkleinerung der Abbauflächen bedeutet, dass zahlreiche Kumpel und Ingenieure ihre angestammten Aufgaben verlieren. Die Gewerkschaft IG BCE zeigte sich dennoch zuversichtlich, weil parallel neue Arbeitsplätze im Bereich der erneuerbaren Energien entstünden.

RWE selbst investiert massiv in Wind- und Solarparks sowie in Wasserstoffprojekte und will bis 2040 klimaneutral sein. Das Unternehmen betont, dass der überwiegende Teil der Belegschaft im Rheinland gebraucht werde, um diese neuen Vorhaben umzusetzen. So entstehen in den Abbaugebieten große Flächen für Photovoltaik und Windkraft, und ehemalige Tagebaulöcher werden zu Pumpspeicherseen umgebaut, die als Stromspeicher dienen. Der Konzern bietet den Mitarbeitern umfassende Qualifizierungsprogramme an, um vom Baggerfahrer zum Servicetechniker für Windkraftanlagen umzuschulen.

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Ein junges Münchner Unternehmen namens SkyLog hat in einer Testregion im oberbayerischen Pfaffenwinkel den Regelbetrieb einer Paketzustellung per Lastdrohne aufgenommen. Die batteriebetriebenen Multikopter transportieren Sendungen mit einem Gewicht von bis zu fünf Kilogramm über Distanzen von maximal dreißig Kilometern direkt von einem Umschlagzentrum zu Abholstationen in den Gemeinden. Die Initiative wurde vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr gefördert und von der örtlichen Industrie- und Handelskammer als Modellprojekt für den ländlichen Raum ausgezeichnet. SkyLog-Gründerin Dr. Theresa Gruber erklärte, es gehe nicht darum, den herkömmlichen Paketboten zu ersetzen, sondern die Versorgung in dünn besiedelten Gebieten zuverlässiger zu machen.

Der technische Ansatz stützt sich auf vollautomatisierte Drohnen, die mit redundanten Navigationssystemen und Fallschirmen ausgestattet sind, um selbst bei einem Ausfall der Motoren kontrolliert landen zu können. Die Fluggeräte folgen vorab genehmigten, digitalen Korridoren und kommunizieren ständig mit einem Leitstand, der jederzeit per Hand eingreifen kann. SkyLog hat für die Betriebsgenehmigung ein aufwändiges Zertifizierungsverfahren beim Luftfahrtbundesamt durchlaufen und gilt nun als eines der ersten Unternehmen in Deutschland, das eine derartige Regelzulassung für wiederholte kommerzielle Transportflüge erhalten hat. Der Strom für die Akkus stammt aus Ökostrom und wird in Solarcarports an den Abholpunkten zwischengeladen.

Die ersten Praxiserfahrungen wurden mit gemischten Reaktionen der Bevölkerung aufgenommen. Während viele Anwohner die schnelle Lieferung von Arzneimitteln aus der nächsten Apotheke schätzen, da der nächste Botendienst vierzig Minuten mit dem Auto braucht, befürchten andere eine Verlärmung des Himmels und einen Eingriff in das Landschaftsbild. SkyLog hat daher die Flugrouten so gelegt, dass sie Siedlungen und Naturschutzgebiete weiträumig umfliegen, und die Propeller wurden so konstruiert, dass sie im Flug nur noch etwa die Lautstärke eines vorbeifahrenden Fahrrads erreichen. Bei einer Bürgerversammlung in Weilheim wurde zudem zugesichert, dass sämtliche Flugdaten öffentlich einsehbar und keinerlei Kameraaufnahmen der Privatgrundstücke gemacht werden.

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Die deutschen Automobilhersteller kämpfen mit einem deutlichen Umsatzrückgang im abgelaufenen dritten Quartal, der die Branche in eine zunehmend angespannte Lage versetzt. Nach vorläufigen Zahlen der Konzerne sanken die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um durchschnittlich knapp acht Prozent, wobei vor allem die Nachfrage nach Verbrenner-Modellen in China und Europa einbrach. Der Volkswagen-Konzern musste einen Rückgang von über zehn Prozent verkraften, während auch BMW und Mercedes-Benz teils signifikante Einbußen meldeten. Die Autobauer sehen sich mit einer Mischung aus schwächelnder Weltkonjunktur, geopolitischen Unsicherheiten und einem nur schleppend anlaufenden Hochlauf der Elektromobilität konfrontiert, der die Kosten in die Höhe treibt, ohne kurzfristig entsprechende Margen zu liefern.

Ein zentraler Grund für die Misere ist der Einbruch auf dem chinesischen Markt, der über viele Jahre als Wachstumsmotor galt. Einheimische Hersteller wie BYD und Nio drängen mit technologisch gleichwertigen, aber preisgünstigeren Elektromodellen massiv in den Vordergrund und haben den deutschen Premiumanbietern Marktanteile abgenommen. Hinzu kommen monatelange Lieferkettenprobleme bei Halbleitern und Akkus, die die Produktion immer wieder stocken lassen. Die Konzerne versuchen gegenzusteuern, indem sie neue, eigens für China entwickelte Fahrzeuge schneller auf den Markt bringen, doch der Druck wächst. So notierte die VW-Tochter Audi ein Absatzminus von zwölf Prozent im Reich der Mitte, während das Joint Venture mit SAIC dringend neu verhandelt wird.

Auch auf den Heimatmärkten und im übrigen Europa sieht das Bild nicht besser aus. Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher infolge gestiegener Zinsen und anhaltender Inflation dämpft die Nachfrage nach Neuwagen erheblich. Außerdem sorgt die Diskussion um ein mögliches Verbot des Verbrennungsmotors ab 2035 für Verunsicherung bei Kunden, die sich bei der Anschaffung eines Fahrzeugs noch nicht auf die Elektrotechnologie festlegen wollen. Die Autohändler klagen über volle Höfe mit unverkauften Hybridfahrzeugen, die eigentlich als Brückentechnologie gedacht waren. Die Rabattschlachten, die einige Hersteller daraufhin starteten, drücken zusätzlich auf die Margen, ohne die Verkaufszahlen merklich anzukurbeln.

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