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Diabetes-Leitlinie empfiehlt umfassende Ernährungsumstellung bei Typ-2

von Hauke Pröll

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Die Deutsche Diabetes Gesellschaft hat eine grundlegend überarbeitete Leitlinie zur Behandlung von Typ-2-Diabetes vorgelegt, in der die Ernährungsumstellung einen deutlich höheren Stellenwert als zuvor einnimmt. Anstatt sofort auf eine medikamentöse Therapie zu setzen, empfehlen die Expertinnen und Experten nun einen strikt strukturierten Ernährungsplan mit einer nachhaltigen Reduktion des Körpergewichts um mindestens fünf Prozent als ersten Schritt. Basis dafür ist eine mediterrane Kost, die reich an Gemüse, Hülsenfrüchten, Fisch und Olivenöl ist sowie stark verarbeitete Lebensmittel und zugesetzten Zucker weitgehend vermeidet. Die Fachgesellschaft betont, dass es sich nicht um eine kurzfristige Diät handele, sondern um eine dauerhafte Umstellung, die in den Alltag der Patienten integriert werden müsse.

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Die Leitlinie stützt sich auf mehrere kontrollierte Studien der letzten Jahre, in denen eine Gruppe mit intensiver Ernährungsberatung mit einer Gruppe verglichen wurde, die lediglich die Standardversorgung mit Medikamenten erhielt. In der Ernährungsgruppe erreichten fast vierzig Prozent der Teilnehmer nach einem Jahr eine Remission ihrer Erkrankung, definiert als Blutzuckerwerte unterhalb der Diabetes-Schwelle ohne blutzuckersenkende Arzneimittel. Allerdings blieb dieser Erfolg nur bei jenen stabil, die die Ernährungsweise dauerhaft beibehielten, was die Bedeutung einer kontinuierlichen Begleitung deutlich macht. Die Autoren der Leitlinie drängen daher darauf, dass die Kostenerstattung für Ernährungsberatung ausgebaut und ein strukturiertes Behandlungsprogramm flächendeckend eingeführt werden muss.

In der Praxis stoßen solche Empfehlungen häufig auf Hürden. Diabetologen berichten, dass viele ihrer Patientinnen und Patienten die derzeit gewährten vier Beratungstermine pro Jahr als unzureichend empfinden, um wirklich stabile Änderungen im Essverhalten zu erzielen. Die Verlockungen des Alltags, die geringe Verfügbarkeit von ausgewogenen Kantinenangeboten am Arbeitsplatz und die oft widersprüchlichen Informationen in den sozialen Medien erschwerten die Umsetzung. Die Leitlinie nimmt daher auch die gesellschaftliche Verantwortung in den Blick und fordert eine Reduktion von Zucker und gesättigten Fetten in Fertigprodukten durch verbindliche Grenzwerte.

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