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Gesetzliche Kassen warnen vor Pflegekosten-Explosion

von Hauke Pröll

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Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen hat mit alarmierenden Zahlen vor einer drastischen Steigerung der Pflegekosten in den kommenden Jahren gewarnt. Nach einer aktuellen Modellrechnung könnten die Eigenanteile für einen Heimplatz von derzeit durchschnittlich 2.500 Euro im Monat auf über 3.200 Euro im Jahr 2028 ansteigen, wenn die Politik keine grundlegenden Reformen auf den Weg bringt. Der Verbandsvorsitzende verwies auf die demografische Welle, die in den nächsten zehn Jahren Tausende zusätzliche Pflegebedürftige ins System spüle, während gleichzeitig die Zahl der Beitragszahler schrumpfe. Die gesetzliche Pflegeversicherung sei zwar eine wichtige Säule, decke aber nur einen Teil der Gesamtkosten ab, was vor allem bei stationärer Pflege zu einer beträchtlichen finanziellen Belastung der Familien führe.

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Die Berechnungen basieren auf der Einkommens- und Verbraucherstichprobe des Statistischen Bundesamtes sowie auf Daten der Pflegestatistik. Demnach wird der Anteil der Menschen über 80 bis 2035 um fast vierzig Prozent zunehmen, und bereits jetzt ist jeder siebte Heimbewohner auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen. Die Kassen warnen davor, dass die Pflegebedürftigkeit zunehmend zum Armutsrisiko wird und dass etliche Angehörige ihre Berufstätigkeit einschränken müssen, um die Versorgung zu Hause zu stemmen. Die Ausgaben für Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen seien in den vergangenen fünf Jahren bereits um ein Viertel gestiegen, was die Dynamik verdeutlicht.

Als zentralen Kostentreiber machen die Verbände die stationäre Versorgung aus, da der ambulante Vorrang im Gesetz zu wenig konsequent umgesetzt wird. In den Niederlanden und Skandinavien gelinge es besser, Pflegebedürftige durch Quartierskonzepte und technische Assistenzsysteme länger in der eigenen Wohnung zu halten. Die deutschen Pflegekassen schlagen daher eine verpflichtende persönliche Pflegeberatung beim ersten Pflegegrad vor, die passgenaue Leistungskombinationen ermitteln soll, bevor teure Heimplätze gewählt werden. Außerdem wird eine stärkere Verzahnung mit den Krankenhäusern und niedergelassenen Hausärzten verlangt, um unnötige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

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