Eine groß angelegte Langzeitstudie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung hat einen deutlichen Zusammenhang zwischen regelmäßiger körperlicher Aktivität und einem reduzierten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen belegt. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren wurden fast dreißigtausend Probanden aus dem gesamten Bundesgebiet begleitet, deren Bewegungsprofile mittels tragbarer Sensoren erhoben wurden. Die Auswertung zeigt, dass Personen, die wöchentlich mindestens einhundertfünfzig Minuten moderate Bewegung wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen ausübten, um etwa dreiundzwanzig Prozent seltener einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten als die Vergleichsgruppe mit überwiegend sitzender Lebensweise. Die Studienleiter betonten, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handele, die keine Kausalzusammenhänge beweisen könne, jedoch hätten die Ergebnisse auch nach Bereinigung um Faktoren wie Rauchen, Ernährung und Body-Mass-Index Bestand.
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Die Forschungsgruppe unter Leitung von Professorin Meike Hartung von der Charité Berlin untersuchte insbesondere den Einfluss von Alltagsbewegung, die nicht als Sport im engeren Sinne gilt. So wirkte sich schon das Zurücklegen von mindestens sechstausend Schritten am Tag günstig aus, wobei der schützende Effekt mit zunehmender Schrittzahl weiter anstieg, bis er bei etwa zehntausend Schritten ein Plateau erreichte. Hartung hob hervor, dass die Botschaft der Studie einfach sei: Jede Minute Bewegung zählt. Für Menschen, die keinerlei Sport trieben, böten bereits Spaziergänge im Park oder das Treppensteigen messbare Vorteile für die Gesundheit, ohne dass es spezieller Fitnessstudios oder Trainingspläne bedürfe.
Mediziner bewerten die Studie als einen weiteren wichtigen Baustein im Verständnis der Prävention von Volkskrankheiten. Die Kardiologische Gesellschaft Deutschland nahm die Veröffentlichung zum Anlass, eine Aktionswoche unter dem Motto „Deutschland geht spazieren“ auszurufen, bei der in mehr als fünfzig Städten geführte Spaziergänge mit Ärzten und Physiotherapeuten angeboten werden. Bürgermeister und Gesundheitsämter wurden aufgefordert, bewegungsfreundliche Umgebungen zu schaffen, etwa durch mehr Parkbänke, sichere Radwege und barrierearme Gehwege. Die Studienergebnisse fließen zudem in die Überarbeitung der Nationalen Bewegungsempfehlungen ein, die derzeit vom Bundesgesundheitsministerium aktualisiert werden.
