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Im brandenburgischen Landkreis Prignitz ist ein großangelegtes Telemedizin-Projekt gestartet, das die hausärztliche Versorgung auf dem Land nachhaltig verbessern soll. In zwölf Pilotpraxen wurden spezielle Untersuchungsstationen eingerichtet, die es den Hausärzten erlauben, während der Sprechstunde per Videokonferenz Fachärzte in Potsdam und Berlin zuzuschalten. Die ausgebildeten Medizinischen Fachangestellten vor Ort bedienen dabei ein mobiles Echokardiografiegerät, ein digitales Dermatoskop und einen Gerät zur Augeninnenspiegelung, deren Bilder in Echtzeit an die Spezialisten übertragen werden. Das Projekt wird von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg und der AOK Nordost getragen und soll bei Erfolg in ganz Ostdeutschland ausgeweitet werden.

Die Prignitz gilt als eine der am dünnsten besiedelten Regionen Deutschlands und kämpft seit langem mit einem Mangel an Hausärzten und einer überalterten Bevölkerung. Die nächste kardiologische Praxis ist oft fünfzig Kilometer entfernt, und ein Termin beim Augenarzt kann Monate dauern. Die neue Technik erlaubt es nun, dass ein Patient mit Verdacht auf eine Netzhautveränderung innerhalb einer halben Stunde von einem telemedizinisch zugeschalteten Retinologen beurteilt wird, ohne den Heimatort zu verlassen. Der Vorteil liegt nicht nur in der Zeitersparnis, sondern auch darin, dass die Hemmschwelle sinkt, überhaupt eine Abklärung vornehmen zu lassen.

Die ersten Erfahrungen nach einem Monat zeigen gemischte Befunde. Während die Patienten die kurzen Wege und die rasche Diagnose schätzten, haderten einige ältere Menschen mit der Technik und dem Gefühl, vor einer Kamera zu sitzen statt einem Arzt direkt gegenüberzustehen. Die Praxisteams berichteten von einem erheblichen Mehraufwand für die Vorbereitung der Geräte und die Dokumentation, der sich aber ihrer Ansicht nach lohne, weil die fachärztliche Rückmeldung unmittelbar in die Therapieentscheidung einfließe. Die Fachärzte in den Zentren konnten ihre Kapazitäten besser auslasten und vermieden überflüssige Einbestellungen von Patienten.

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Führende deutsche Ärzteverbände haben in einer gemeinsamen Stellungnahme vor den Gesundheitsrisiken der von der Bundesregierung geplanten Cannabis-Legalisierung gewarnt. Die Bundesärztekammer, die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde sowie die Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin äußerten sich besorgt darüber, dass die Risiken des Konsums, insbesondere für junge Menschen, in der öffentlichen Debatte zu wenig Beachtung fänden. Sie appellierten an den Gesetzgeber, strenge Auflagen für den Jugendschutz, umfassende Präventionskampagnen und eine flächendeckende Frühintervention vorzusehen, bevor die ersten Verkaufsstellen eröffneten. Der Fokus müsse darauf liegen, den Schwarzmarkt auszutrocknen, und nicht darauf, Cannabis als gesundheitlich harmlos darzustellen.

Die Mediziner verwiesen auf eine aktuelle Metaanalyse der Universität Köln, die einen Zusammenhang zwischen intensivem Cannabiskonsum im Jugendalter und einem erhöhten Risiko für die Entwicklung schizophrenieartiger Psychosen belegt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass bei genetisch vorbelasteten Jugendlichen, die mehrmals pro Woche Cannabis konsumierten, das Psychoserisiko um das Drei- bis Vierfache anstieg. Darüber hinaus sei mit einer Zunahme von kognitiven Beeinträchtigungen, Aufmerksamkeitsstörungen und Schulabbrüchen zu rechnen, wenn die Verfügbarkeit steige und die soziale Kontrolle sinke. Eine Vertreterin der Kinderärzte sagte, sie befürchte eine neue Welle junger Patienten, die nach einer Phase vermeintlich harmlosen Ausprobierens mit schweren psychischen Problemen in die Praxen kämen.

Die Bundesregierung verwies darauf, dass der vorgelegte Gesetzentwurf genau aus diesem Grund enge Grenzen setze. Die Abgabe soll nur an Erwachsene ab 18 Jahren in zertifizierten Fachgeschäften erfolgen, und der Wirkstoffgehalt werde streng kontrolliert. Bildungskampagnen über die Risiken seien ein integraler Bestandteil des Konzepts und mit den Ländern verabredet. Das Argument der Regierung lautet, dass der bisherige Verbotsansatz gescheitert sei und der illegale Markt mit verunreinigten Substanzen floriere, während der Jugendschutz in der Schattenwirtschaft faktisch nicht existiere.

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Die Deutsche Diabetes Gesellschaft hat eine grundlegend überarbeitete Leitlinie zur Behandlung von Typ-2-Diabetes vorgelegt, in der die Ernährungsumstellung einen deutlich höheren Stellenwert als zuvor einnimmt. Anstatt sofort auf eine medikamentöse Therapie zu setzen, empfehlen die Expertinnen und Experten nun einen strikt strukturierten Ernährungsplan mit einer nachhaltigen Reduktion des Körpergewichts um mindestens fünf Prozent als ersten Schritt. Basis dafür ist eine mediterrane Kost, die reich an Gemüse, Hülsenfrüchten, Fisch und Olivenöl ist sowie stark verarbeitete Lebensmittel und zugesetzten Zucker weitgehend vermeidet. Die Fachgesellschaft betont, dass es sich nicht um eine kurzfristige Diät handele, sondern um eine dauerhafte Umstellung, die in den Alltag der Patienten integriert werden müsse.

Die Leitlinie stützt sich auf mehrere kontrollierte Studien der letzten Jahre, in denen eine Gruppe mit intensiver Ernährungsberatung mit einer Gruppe verglichen wurde, die lediglich die Standardversorgung mit Medikamenten erhielt. In der Ernährungsgruppe erreichten fast vierzig Prozent der Teilnehmer nach einem Jahr eine Remission ihrer Erkrankung, definiert als Blutzuckerwerte unterhalb der Diabetes-Schwelle ohne blutzuckersenkende Arzneimittel. Allerdings blieb dieser Erfolg nur bei jenen stabil, die die Ernährungsweise dauerhaft beibehielten, was die Bedeutung einer kontinuierlichen Begleitung deutlich macht. Die Autoren der Leitlinie drängen daher darauf, dass die Kostenerstattung für Ernährungsberatung ausgebaut und ein strukturiertes Behandlungsprogramm flächendeckend eingeführt werden muss.

In der Praxis stoßen solche Empfehlungen häufig auf Hürden. Diabetologen berichten, dass viele ihrer Patientinnen und Patienten die derzeit gewährten vier Beratungstermine pro Jahr als unzureichend empfinden, um wirklich stabile Änderungen im Essverhalten zu erzielen. Die Verlockungen des Alltags, die geringe Verfügbarkeit von ausgewogenen Kantinenangeboten am Arbeitsplatz und die oft widersprüchlichen Informationen in den sozialen Medien erschwerten die Umsetzung. Die Leitlinie nimmt daher auch die gesellschaftliche Verantwortung in den Blick und fordert eine Reduktion von Zucker und gesättigten Fetten in Fertigprodukten durch verbindliche Grenzwerte.

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Eine groß angelegte Langzeitstudie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung hat einen deutlichen Zusammenhang zwischen regelmäßiger körperlicher Aktivität und einem reduzierten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen belegt. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren wurden fast dreißigtausend Probanden aus dem gesamten Bundesgebiet begleitet, deren Bewegungsprofile mittels tragbarer Sensoren erhoben wurden. Die Auswertung zeigt, dass Personen, die wöchentlich mindestens einhundertfünfzig Minuten moderate Bewegung wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen ausübten, um etwa dreiundzwanzig Prozent seltener einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten als die Vergleichsgruppe mit überwiegend sitzender Lebensweise. Die Studienleiter betonten, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handele, die keine Kausalzusammenhänge beweisen könne, jedoch hätten die Ergebnisse auch nach Bereinigung um Faktoren wie Rauchen, Ernährung und Body-Mass-Index Bestand.

Die Forschungsgruppe unter Leitung von Professorin Meike Hartung von der Charité Berlin untersuchte insbesondere den Einfluss von Alltagsbewegung, die nicht als Sport im engeren Sinne gilt. So wirkte sich schon das Zurücklegen von mindestens sechstausend Schritten am Tag günstig aus, wobei der schützende Effekt mit zunehmender Schrittzahl weiter anstieg, bis er bei etwa zehntausend Schritten ein Plateau erreichte. Hartung hob hervor, dass die Botschaft der Studie einfach sei: Jede Minute Bewegung zählt. Für Menschen, die keinerlei Sport trieben, böten bereits Spaziergänge im Park oder das Treppensteigen messbare Vorteile für die Gesundheit, ohne dass es spezieller Fitnessstudios oder Trainingspläne bedürfe.

Mediziner bewerten die Studie als einen weiteren wichtigen Baustein im Verständnis der Prävention von Volkskrankheiten. Die Kardiologische Gesellschaft Deutschland nahm die Veröffentlichung zum Anlass, eine Aktionswoche unter dem Motto „Deutschland geht spazieren“ auszurufen, bei der in mehr als fünfzig Städten geführte Spaziergänge mit Ärzten und Physiotherapeuten angeboten werden. Bürgermeister und Gesundheitsämter wurden aufgefordert, bewegungsfreundliche Umgebungen zu schaffen, etwa durch mehr Parkbänke, sichere Radwege und barrierearme Gehwege. Die Studienergebnisse fließen zudem in die Überarbeitung der Nationalen Bewegungsempfehlungen ein, die derzeit vom Bundesgesundheitsministerium aktualisiert werden.

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Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen hat mit alarmierenden Zahlen vor einer drastischen Steigerung der Pflegekosten in den kommenden Jahren gewarnt. Nach einer aktuellen Modellrechnung könnten die Eigenanteile für einen Heimplatz von derzeit durchschnittlich 2.500 Euro im Monat auf über 3.200 Euro im Jahr 2028 ansteigen, wenn die Politik keine grundlegenden Reformen auf den Weg bringt. Der Verbandsvorsitzende verwies auf die demografische Welle, die in den nächsten zehn Jahren Tausende zusätzliche Pflegebedürftige ins System spüle, während gleichzeitig die Zahl der Beitragszahler schrumpfe. Die gesetzliche Pflegeversicherung sei zwar eine wichtige Säule, decke aber nur einen Teil der Gesamtkosten ab, was vor allem bei stationärer Pflege zu einer beträchtlichen finanziellen Belastung der Familien führe.

Die Berechnungen basieren auf der Einkommens- und Verbraucherstichprobe des Statistischen Bundesamtes sowie auf Daten der Pflegestatistik. Demnach wird der Anteil der Menschen über 80 bis 2035 um fast vierzig Prozent zunehmen, und bereits jetzt ist jeder siebte Heimbewohner auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen. Die Kassen warnen davor, dass die Pflegebedürftigkeit zunehmend zum Armutsrisiko wird und dass etliche Angehörige ihre Berufstätigkeit einschränken müssen, um die Versorgung zu Hause zu stemmen. Die Ausgaben für Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen seien in den vergangenen fünf Jahren bereits um ein Viertel gestiegen, was die Dynamik verdeutlicht.

Als zentralen Kostentreiber machen die Verbände die stationäre Versorgung aus, da der ambulante Vorrang im Gesetz zu wenig konsequent umgesetzt wird. In den Niederlanden und Skandinavien gelinge es besser, Pflegebedürftige durch Quartierskonzepte und technische Assistenzsysteme länger in der eigenen Wohnung zu halten. Die deutschen Pflegekassen schlagen daher eine verpflichtende persönliche Pflegeberatung beim ersten Pflegegrad vor, die passgenaue Leistungskombinationen ermitteln soll, bevor teure Heimplätze gewählt werden. Außerdem wird eine stärkere Verzahnung mit den Krankenhäusern und niedergelassenen Hausärzten verlangt, um unnötige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden.

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