Die Fernsehmoderatorin Claudia Brenner, die seit Jahren das Politmagazin „Brennpunkt“ im öffentlich-rechtlichen Rundfunk leitet, hat sich in einem ausführlichen Interview erstmals zu der gegen sie gerichteten Hasskampagne im Internet geäußert. Über Monate hatten Unbekannte in sozialen Netzwerken und per E-Mail massenhaft beleidigende, drohende und teils sexualisierte Botschaften verbreitet, die Brenner zutiefst verunsicherten. Die 49-Jährige berichtete, dass der Shitstorm nach einer Sendung zur Migrationspolitik begann und sich schnell zu einer Welle der Hetze ausweitete, die ihre private Adresse preisgab. Lange habe sie versucht, die Angriffe zu ignorieren, doch als auch ihr Kind in der Schule darauf angesprochen wurde, sei eine Grenze überschritten worden.
Werbung
In dem Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ schildert Brenner, wie die tägliche Flut von Hassnachrichten ihr Gefühl von Sicherheit und Selbstwert untergrub. An manchen Tagen seien es hunderte Zuschriften mit Formulierungen gewesen, die sie hier nicht wiederholen wolle, die sich aber tief in ihr Gedächtnis gebrannt hätten. Die Öffentlichkeit habe sie stets als toughe und schlagfertige Journalistin wahrgenommen, doch hinter den Kulissen habe sie nächtelang nicht schlafen können und sei vor jedem Auftritt in Panik verfallen. Sie sei an den Punkt gelangt, an dem sie ihren Beruf in Frage stellte und überlegte, sich komplett zurückzuziehen. Ihr Arbeitgeber stellte ihr eine Sicherheitsberatung zur Seite und schaltete eine spezialisierte Anwaltskanzlei ein, um die Urheber strafrechtlich verfolgen zu lassen.
Die Diskussion über Hassrede im Netz erhielt durch Brenners Fall eine prominente Fürsprecherin. Vertreter von Journalistenverbänden und Politikern aus mehreren Fraktionen äußerten Solidarität und forderten schärfere Gesetze, um Betreiber von Plattformen zur schnelleren Löschung von Hassinhalten zu zwingen. Die Moderatorin betonte, es gehe ihr nicht um ein Verbot von Kritik, der sie sich als Journalistin selbstverständlich stellen müsse, sondern um eine klare Grenze zwischen Meinungsäußerung und systematischer Einschüchterung. Sie plädierte dafür, dass Redaktionen den digitalen Schutz ihrer Mitarbeiter ebenso ernst nehmen wie die physische Sicherheit bei Außeneinsätzen.
