Der deutsche Schauspieler Alexander Voss hat bei den diesjährigen Internationalen Filmfestspielen von Cannes den Preis als bester Darsteller gewonnen und damit für einen seltenen deutschen Triumph an der Croisette gesorgt. Ausgezeichnet wurde er für seine intensive Darstellung eines ehemaligen Grenzsoldaten in dem Drama „Nacht über Berlin“, das die inneren Zerrissenheit der Nachwendezeit thematisiert. Der 42-Jährige setzte sich in einem starken Teilnehmerfeld gegen prominente Konkurrenten aus Frankreich, Südkorea und den USA durch und widmete die Auszeichnung dem gesamten Filmteam, das über zwei Jahre an dem Projekt gearbeitet hatte. Der Film selbst, eine Koproduktion von ARD Degeto und einer französischen Produktionsfirma, feierte in Cannes seine Weltpremiere und wurde vom Publikum mit stehenden Ovationen gefeiert.
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In seiner Dankesrede zeigte sich Voss bewegt und betonte die Bedeutung eines starken europäischen Kinos, das gesellschaftliche Brüche ohne einfache Antworten erzähle. Er erinnerte an die Dreharbeiten in Brandenburg, bei denen er wochenlang mit echten Zeitzeugen gesprochen habe, um die emotionale Tiefe seiner Rolle zu erfassen. Voss, der lange als ewiger Geheimtipp galt und zuvor vor allem durch Theaterengagements und Nebenrollen in deutschen Fernsehproduktionen aufgefallen war, erreicht mit diesem Preis einen Karrierehöhepunkt, der ihm internationale Angebote einbringen könnte. Die Festivalleitung hob in ihrer Begründung hervor, dass es Voss gelinge, die Dramatik der Figur ausschließlich über minimale Gesten und Blicke zu transportieren und so eine filmische Sprache der Verletzlichkeit zu schaffen.
Der Film „Nacht über Berlin“ begleitet einen jungen Mann, der nach dem Mauerfall seinen Dienst bei den Grenztruppen verliert und im vereinigten Berlin auf der Suche nach einer neuen Identität beinahe zerbricht. Regisseurin Julia Herfurth verortete die Handlung in den düsteren Winterwochen von 1990 und setzte dabei auf eine fast dokumentarisch anmutende Bildästhetik. Die Zusammenarbeit mit Voss sei ein Wendepunkt in der Entstehung des Films gewesen, so Herfurth, weil er mit seiner Verkörperung das Drehbuch immer wieder auf neue Ebenen gehoben habe. Der Streifen löste schon während des Festivals Diskussionen über die Darstellung des vereinten Deutschland aus und gilt als Anwärter auf mehrere Europäische Filmpreise.
