Oberbürgermeisterin Simone Borris trat vor die Presse und sprach von einem beispiellosen Angriff auf die Handlungsfähigkeit der Kommune. Sie versicherte, dass alle Anstrengungen unternommen würden, um die Systeme schrittweise wieder in Betrieb zu nehmen, wobei die Sicherheit oberste Priorität habe. Ein Notbetrieb in den Bürgerämtern sei für all jene Fälle eingerichtet worden, bei denen es um existenzielle Angelegenheiten wie Geburts- und Sterbeurkunden gehe, die dann händisch bearbeitet würden. Gleichzeitig rief sie die Bevölkerung zur Geduld auf, da mit einer vollständigen Wiederherstellung erst in mehreren Wochen zu rechnen sei. Die Wirtschaftsförderung der Stadt bot betroffenen kleinen Unternehmen Beratung an, weil viele Betriebe aufgrund ausgefallener Gewerbeamtsservices keine Aufträge abwickeln konnten.
Werbung
Der Angriff auf Magdeburg ist Teil einer Serie von Cyberattacken auf deutsche Kommunen, die in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. Fachleute des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) wiesen darauf hin, dass viele Verwaltungen aufgrund knapper Haushaltsmittel mit veralteter Hard- und Software arbeiteten und das Personal für IT-Sicherheit oft unterbesetzt sei. Ein Sprecher des Deutschen Städtetages forderte ein umfassendes Bund-Länder-Programm zur Verbesserung der Cyberresilienz und eine zentrale Meldestelle, die im Ernstfall schnell Unterstützung leisten könne. Datenschützer warnten unterdessen vor den möglichen Folgen des Datenabflusses, falls personenbezogene Informationen der Magdeburger Bevölkerung in falsche Hände gerieten.
Zum Ende der Woche gelang es den Technikern, die ersten Teilsysteme wieder in Betrieb zu nehmen, darunter die Lohnbuchhaltung und die Kita-Anmeldung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Computersabotage und versuchter Erpressung, konkrete Hinweise auf die Tätergruppe gibt es aber noch nicht. Die Stadt Magdeburg kündigte an, neue Sicherheitsarchitekturen mit mehrstufigen Backups und einer Netzwerksegmentierung einzuführen, die solche Vorfälle künftig erschweren sollen. Man wolle zudem das Sicherheitsbewusstsein bei allen Mitarbeitenden durch verpflichtende Schulungen schärfen. In der Bevölkerung blieb unterdessen die Sorge, dass ein Schlüsseldienst der öffentlichen Hand auf unbestimmte Zeit nur noch eingeschränkt funktioniert und persönliche Daten ungeschützt kursieren.
