Ein ICE der Baureihe 407 kollidierte am Donnerstagmorgen im Gleisvorfeld des Frankfurter Hauptbahnhofs mit einem Baufahrzeug, wodurch die wichtigste Nord-Süd-Verbindung des deutschen Schienennetzes für Stunden vollständig unterbrochen wurde. Das Baufahrzeug, ein Schienenbagger, war im Rahmen von nächtlichen Instandhaltungsarbeiten ungesichert im Durchfahrtsgleis zurückgeblieben und wurde von dem mit etwa 60 Kilometern pro Stunde einfahrenden Zug frontal erfasst. Der Lokführer leitete zwar eine Schnellbremsung ein, konnte den Aufprall jedoch nicht mehr verhindern, der glücklicherweise nahezu keine Personenschäden verursachte, da der Bagger nur mit einer Absicherungsperson besetzt war, die rechtzeitig abspringen konnte. Die gut 200 Fahrgäste im Zug kamen mit dem Schrecken davon und wurden über die Notausstiege evakuiert.
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Die sofortige Vollsperrung des Knotenpunkts Frankfurt wirkte sich wie ein Schock auf den gesamten Fernverkehr aus. ICE- und IC-Züge aus Richtung Hamburg, Berlin, München und Basel mussten weiträumig umgeleitet werden, was zu Verspätungen von mehr als drei Stunden und etlichen Zugausfällen führte. Der Bahnhof Frankfurt Hauptbahnhof selbst wurde zum Stillstand gebracht, da auch Regional- und S-Bahn-Linien betroffen waren. Die Deutsche Bahn richtete einen Notfallplan ein, mit dem Reisende über alternative Routen geleitet wurden, doch viele Passagiere strandeten in den überfüllten Bahnhofshallen. Die Informationspolitik der Bahn geriet schnell in die Kritik, weil die Fahrgäste über Lautsprecher nur lückenhafte und teils widersprüchliche Auskünfte erhielten.
Ein Bahnsprecher bestätigte am Vormittag, dass die Unfallstelle frühestens am Nachmittag geräumt sein könne, da der Bagger stark verkeilt war und erst durch einen Spezialkran geborgen werden musste. Als Ersatz setzte das Unternehmen Busse zwischen Frankfurt, Hanau und Darmstadt ein, die jedoch bei weitem nicht ausreichten, um die Menschenmassen aufzunehmen. Am Frankfurter Hauptbahnhof bildeten sich hunderte Meter lange Warteschlangen vor den Servicepoints, und viele Geschäftsreisende versuchten, auf Mietwagen auszuweichen. Derweil machten sich Techniker der DB Netz AG daran, die Oberleitungen und Gleise auf Beschädigungen zu prüfen, wobei schnell klar wurde, dass mehrere Schwellen und Signale in Mitleidenschaft gezogen worden waren.
