Die Belegschaft in Chemnitz reagierte mit gemischten Gefühlen. Der Betriebsrat sicherte dem Management zwar grundsätzliche Unterstützung zu, forderte jedoch eine verbindliche Standortgarantie für die sächsische Produktion und Investitionen in neue Ausbildungsplätze. Man habe die Erfahrung gemacht, dass eine Auslandsexpansion oft ein erster Schritt zur Verlagerung weiterer Teile der Wertschöpfung sei. Lindner versicherte, es werde keine Arbeitsplätze von Chemnitz nach Polen verlagern, und unterzeichnete eine entsprechende Betriebsvereinbarung.
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Die IHK Chemnitz wertet das Engagement als Beleg dafür, dass sächsische Unternehmen den Strukturwandel aktiv gestalten und internationale Wertschöpfungsketten aufbauen, ohne die Heimat aufzugeben. Die Region hat nach dem Ende der DDR einen tiefgreifenden Wandel durchgemacht und sich heute auf Spezialanfertigungen im Maschinenbau fokussiert. Der Schritt nach Polen könne auch anderen Firmen Mut machen, die sich bislang nicht in das nähere Ausland getraut hätten.
Zum Jahresende soll der erste Teilabschnitt der Fabrik in Betrieb gehen und zunächst dreißig Menschen beschäftigen, langfristig sind etwa achtzig Arbeitsplätze geplant. Das Richtfest wird mit einem polnisch-sächsischen Folkloreabend gefeiert, und auch der Bürgermeister von Chemnitz will anreisen. Das Beispiel zeigt, wie eng die wirtschaftlichen Verflechtungen entlang der Oder geworden sind und dass die deutsch-polnische Zusammenarbeit weit mehr ist als ein Lippenbekenntnis der Politik.
