Die Aktienmärkte reagierten prompt: Die Vorzugsaktien von Volkswagen, BMW und Mercedes verloren nach Bekanntgabe der Quartalszahlen zeitweise über fünf Prozent an Wert. Analysten der Commerzbank senkten ihre Prognosen und warnten vor einer strukturellen Krise, die über eine bloße Konjunkturdelle hinausgehe. Die hohen Fixkosten für die Transformation zur rein elektrischen Produktpalette belasteten die Bilanzen massiv, während die Margen bei den noch immer ertragreichen Verbrennern schrumpften. Porsche, das als vergleichsweise krisenfest galt, meldete ebenfalls einen leichten Rückgang und kündigte an, seine ambitionierten Renditeziele überdenken zu müssen.
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Die Betriebsräte der großen Werke mahnten, die Investitionen in die Zukunft dürften nicht gegen die Belegschaft ausgespielt werden. Sie forderten ein klares Bekenntnis zu den deutschen Standorten und zur Qualifizierung der Mitarbeiter für die Fertigung von Elektrofahrzeugen. Derweil kündigte Volkswagen an, ein freiwilliges Abfindungsprogramm für die Verwaltung aufzulegen und die Zahl der Schichten in einigen Werken vorübergehend zu reduzieren. Daimler Truck, das vor wenigen Jahren abgespalten wurde, steht etwas besser da, weil das Nutzfahrzeuggeschäft von anderen Zyklen profitiert, doch eine generelle Trendwende ist auch dort nicht in Sicht.
Der Druck, die Transformation schneller und profitabler zu gestalten, wächst in den Chefetagen spürbar. Branchenverbände fordern ein klares politisches Signal für den Ausbau der Ladeinfrastruktur und geringere Strompreise, um die Attraktivität der Elektroautos zu erhöhen. Gleichzeitig arbeiten die Konzerne unter Hochdruck an neuen, softwaredefinierten Fahrzeugplattformen, mit denen sie Google und Apple im digitalen Ökosystem des Autos Paroli bieten wollen. Ob dieser Kraftakt gelingt, wird sich erst in den kommenden zwei Jahren zeigen, wenn die nächste Modellgeneration auf die Höfe rollt. Einstweilen müssen die Aktionäre mit niedrigeren Dividenden rechnen, und mancher Kleinzulieferer bangt um seine Existenz.
