Der Wetterumschwung, der die Temperaturen auf dem Gipfel innerhalb weniger Stunden um über zehn Grad sinken ließ, verwandelte die alpine Landschaft in ein winterliches Szenario. Dichter Nebel und heftiger Schneefall reduzierten die Sichtweite zeitweise auf weniger als dreißig Meter, was insbesondere die Hubschrauber zur Absage von Flügen zwang. Die Bodenmannschaften kämpften sich dennoch weiter voran, doch die aufgeweichten Firnfelder und die akute Lawinengefahr im steilen Gelände machten die Fortbewegung zur Tortur. Ein Sprecher der Bergwacht appellierte an alle anderen Bergwanderer in der Region, die markierten Wege nicht zu verlassen und auf die Warnungen zu achten, da die instabilen Verhältnisse jegliche Rettungsmission extrem gefährlich machten.
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In den umliegenden Alpenvereinshütten wurden Plakate mit einem Foto des Vermissten aufgehängt, und die Betreiber baten Übernachtungsgäste, Hinweise sofort zu melden. Die erfahrenen Bergführer der Region äußerten sich besorgt über die Tendenz, dass selbst geübte Alpinisten das Risiko kurzfristiger Wetterstürze unterschätzten. Die Tour über das Höllental gilt als eine der schwierigsten Normalwege auf Deutschlands höchsten Berg und erfordert auch im Sommer absolute Trittsicherheit und Kletterfertigkeiten im zweiten Schwierigkeitsgrad. Bei den aktuellen Bedingungen sei ein sicheres Vorankommen jedoch nahezu unmöglich und ein nächtlicher Biwakeinsatz ohne ausreichende Isolation lebensgefährlich, so ein altgedienter Bergretter.
Am dritten Tag der Suche gab es einen kurzen Hoffnungsschimmer, als eine Drohne mit hochauflösender Kamera ein reflektierendes Objekt in einer Felsrinne erfasste, das sich als Teil der Notfallausrüstung des Vermissten herausstellen könnte. Ein Helikopter setzte ein alpines Einsatzkommando ab, das sich zu der unzugänglichen Stelle abseilte, jedoch lediglich eine alte, zurückgelassene Isomatte fand. Die Suchaktion wurde dennoch fortgesetzt, und die Bergwacht betonte, man werde erst aufgeben, wenn alle realistischen Möglichkeiten ausgeschöpft seien. Der Fall reiht sich in eine Serie ähnlicher Vermisstenfälle der letzten Jahre ein, die immer wieder die Frage nach verpflichtenden elektronischen Notfallsendern und besserer Mobilfunkabdeckung im Hochgebirge aufwerfen.
