Die Startseite Eilmeldungen Großbrand in Chemiepark Leverkusen löst Großeinsatz aus

Großbrand in Chemiepark Leverkusen löst Großeinsatz aus

von Hauke Pröll

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Über Personenschäden gab es widersprüchliche Angaben. Nach Angaben des Chemieparkbetreibers wurden zwei Mitarbeiter der Werksfeuerwehr mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht, während externe Einsatzkräfte unverletzt blieben. Bei den umliegenden Krankenhäusern lief ein Programm zur Aufstockung der Notfallkapazitäten, das aber nicht in vollem Umfang abgerufen werden musste. Anwohner berichteten von stechenden Gerüchen und Schleimhautreizungen, medizinische Notfälle in Folge des Brandes wurden jedoch nicht registriert. Die Feuerwehr betonte, dass die Ausrüstung der Wehrleute und die zügige Warnung der Bevölkerung entscheidend dazu beigetragen hätten, schlimmere Folgen zu verhindern.

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Die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt nahmen noch während der Löscharbeiten die Ermittlungen zur Brandursache auf. Ersten Erkenntnissen zufolge könnte ein technischer Defekt in einer Destillationsanlage das Feuer entfacht haben, doch schlossen die Ermittler auch eine fahrlässige Handhabung nicht aus. Der Chemiepark Leverkusen stand in der Vergangenheit wiederholt wegen Störfällen in der Kritik, was den Grünen-Politiker Jan Henkel zu einer Forderung nach schärferen Sicherheitsauflagen und unabhängigeren Kontrollen veranlasste. Die Betreibergesellschaft Currenta verwies dagegen auf ihr umfangreiches Sicherheitskonzept und kündigte eine interne Untersuchung unter Beteiligung externer Gutachter an. Parallel dazu meldeten sich Anwohnerinitiativen zu Wort, die den dauerhaften Betrieb derartiger Anlagen in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten grundsätzlich in Frage stellten.

Als der Brand schließlich gelöscht war, begannen die Aufräum- und Sanierungsarbeiten im betroffenen Betriebsteil, der für Wochen stillgelegt werden musste. Die zuständige Bezirksregierung ordnete Boden- und Wasserproben an, um eine mögliche Kontamination des Rheins auszuschließen, während das Landesamt für Umweltschutz die Filteranlagen prüfte, die mit dem Löschwasser in Berührung gekommen waren. Erste Bilanz: Der Sachschaden wurde auf über zehn Millionen Euro geschätzt, und es kam zu Lieferengpässen bei Vorprodukten für die Pharmaindustrie, die zu den Kunden des Chemieparks zählt. Die schrittweise Aufhebung der Sicherheitsmaßnahmen gelang erst nach 36 Stunden, nachdem sämtliche Messwerte unter die Grenzwerte gefallen waren. Der Vorfall wurde von Behörden und Unternehmen als erneuter Weckruf gewertet, die Sicherheitsarchitektur von Chemiestandorten in Deutschland einer grundlegenden Revision zu unterziehen.

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