Anwohner schilderten am Morgen danach ihre Eindrücke von der unvermittelt hereingebrochenen Naturgewalt. Ein Fischer aus Sassnitz berichtete, er habe gesehen, wie die Ostsee kochte und meterhohe Wellen gegen die Mole peitschten, ein Anblick, den er in seinen vierzig Jahren auf See noch nie erlebt habe. Die Bürgermeisterin von Stralsund sprach von einer nie dagewesenen Zerstörung in der historischen Altstadt, wo zahlreiche Dachziegel auf die Kopfsteinpflastergassen stürzten und das Wahrzeichen des Rathauses beschädigt wurde. Schulen und Kitas blieben in den betroffenen Landkreisen vorerst geschlossen, da die Gebäude auf Statik geprüft werden mussten. Viele Familien verbrachten die Nacht in Kellern oder fensterlosen Innenräumen und wagten sich erst bei Tageslicht wieder hinaus, um das Ausmaß der Verwüstung zu begreifen.
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Die Landesregierung reagierte umgehend und berief einen Krisenstab ein. Innenminister Torsten Lange sicherte während einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz eine lückenlose Aufarbeitung der Ereignisse sowie schnelle Hilfen für die Geschädigten zu. Das Technische Hilfswerk (THW) entsandte mehrere Hundert Helfer mit schwerem Gerät, um die Straßen freizuräumen und die Stromversorgung notdürftig wiederherzustellen. Der Einsatz von Bundeswehrräumfahrzeugen wurde angefordert, um die Hauptverkehrsadern der Inseln von umgestürzten Bäumen zu befreien, da die örtlichen Kapazitäten nicht ausreichten. Der Sturm traf die Region mitten in der Tourismussaison, weshalb Hoteliers und Gastronomen neben den physischen Zerstörungen auch erhebliche wirtschaftliche Einbußen befürchten. Erste Schätzungen gehen allein für die entstandenen Infrastrukturschäden von einer Summe im unteren zweistelligen Millionenbereich aus.
Nachdem sich das Wetter am Mittwoch beruhigt hatte, liefen die Aufräumarbeiten unter Hochdruck weiter. Meteorologen erklärten die rapide Intensivierung des Sturms mit einer ungewöhnlichen Temperaturdifferenz zwischen warmer Meeresluft und einer in der Höhe liegenden Kaltfront, wodurch das System explosionsartig an Energie gewann. Die Debatte über die Wirksamkeit der bestehenden Frühwarnsysteme entbrannte erneut, da viele Bürger erst durch Sirenen und Lautsprecherdurchsagen der Feuerwehr gewarnt wurden, als der Sturm bereits tobte. Fachleute forderten eine engmaschigere Überwachung kleinskaliger Wetterphänomene und eine verbesserte Alarmierung über digitale Kanäle, um künftige Ereignisse früher anzukündigen. Während die Einsatzkräfte noch mit der Beseitigung der gröbsten Schäden beschäftigt waren, begannen Politik und Verwaltung bereits mit der Prüfung, wie die Widerstandsfähigkeit der Küsteninfrastruktur gegenüber einem zunehmend extremeren Wettergeschehen gestärkt werden kann.
