Die Stimmung war phasenweise aufgeheizt, als es um Windräder im Reinhardswald und die umstrittene Nordmainische S-Bahn ging. Ein besonderer Moment ergab sich, als eine junge Ukrainerin auf Deutsch schilderte, wie sie ihre neue Heimat in Frankfurt gefunden habe, und fragte, was die Politik tue, damit dies keine Ausnahme bleibe. Die Antwort von Boris Rhein, Hessen sei stolz auf seine Willkommenskultur, stieß bei einem Teil des Publikums auf Zustimmung, bei einem anderen auf Skepsis. Die Moderatoren mussten mehrfach zur Ordnung rufen.
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Das Format des Bürgerforums wird in diesem Wahlkampf von allen Beteiligten als wertvoll angesehen, weil es die Kandidaten zwingt, auf konkrete Alltagsprobleme einzugehen und sich nicht in der Rhetorik von Talkshows zu verlieren. Die Veranstalter vom Hessischen Rundfunk und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lobten die hohe Beteiligung und die Ernsthaftigkeit der Fragen. Eine Zuschauergruppe von Erstwahlenden, die extra aus Fulda angereist war, sagte hinterher, sie fühle sich jetzt besser informiert, aber immer noch unsicher, wem sie ihre Stimme geben solle.
Mit dem Bürgerforum beginnt die heiße Phase des Wahlkampfs, denn in gut zwei Wochen wird in Hessen gewählt. Die Umfragen zeigen ein knappes Rennen zwischen CDU und SPD, während die Grünen auf Platz drei hoffen und die FDP um den Wiedereinzug in den Landtag bangt. Die Auseinandersetzung gilt als Stimmungsbarometer für die Bundespolitik, und alle Parteiführungen in Berlin schauen gespannt nach Wiesbaden. Der Abend in der Jahrhunderthalle machte klar, dass die Wählerinnen und Wähler in Hessen noch schwanken und die Spitzenkandidaten bis zuletzt um jede Stimme kämpfen müssen.
