Die Startseite Politik Bundespräsident Steinmeier ruft zu gesellschaftlichem Zusammenhalt auf

Bundespräsident Steinmeier ruft zu gesellschaftlichem Zusammenhalt auf

von Hauke Pröll

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei einer Gedenkfeier im Schloss Bellevue mit eindringlichen Worten zu mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt angesichts der zahlreichen Krisen aufgerufen. Vor rund zweihundert Gästen aus Politik, Kultur und Zivilgesellschaft erinnerte er an die Opfer von Extremismus und Antisemitismus, aber auch an die stillen Heldinnen und Helden des Alltags, die mit ihrem Engagement die Gesellschaft zusammenhielten. Steinmeier sprach von einer Zeit der Verunsicherung, in der sich viele Menschen abgehängt fühlten und in der die Ränder lauter würden. Es sei die Aufgabe aller Demokratinnen und Demokraten, die Sprache des Respekts zu bewahren und nicht zuzulassen, dass Wut und Hass die öffentliche Debatte vergifteten.

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Der Bundespräsident warnte davor, dass die zunehmende Polarisierung den inneren Frieden gefährden könne. Die Demokratie werde nicht allein durch Wahlen erhalten, sondern vor allem durch die zahllosen kleinen Begegnungen des Alltags, in denen sich Menschen mit unterschiedlichen Ansichten zuhören, statt einander zu beschimpfen. Er zitierte den Philosophen Jürgen Habermas, der davon gesprochen hatte, dass der öffentliche Vernunftgebrauch der Kitt der Gesellschaft sei. Die Anwesenden lauschten konzentriert, als Steinmeier sehr konkret auf die Angriffe auf Rettungskräfte, die verbale Gewalt in sozialen Medien und die Verrohung der Sprache im Bundestag einging.

In seiner Rede würdigte der Bundespräsident zugleich Initiativen, die Brücken bauen. Er nannte beispielhaft ein Projekt in Brandenburg an der Havel, bei dem ehemalige Stahlkocher mit Geflüchteten gemeinsam einen interkulturellen Garten anlegten, und eine Initiative im sächsischen Freital, die ein Bürgerforum gegen Rechtsextremismus gegründet hatte. Diese oft unbeachteten Geschichten des Miteinanders seien der wahre Schatz des Landes und verdienten viel mehr Aufmerksamkeit, als ihnen im medialen Alltag zukomme. Steinmeier appellierte an die Journalisten, nicht nur über Konflikte, sondern ebenso über Lösungen zu berichten.

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